Speaker im Porträt: Carsten Puhl

Wir freuen uns, Carsten Puhl von Hubject auf der be.connected 2019 als Speaker begrüßen zu dürfen und haben ihm vorab einige Fragen gestellt.

Herr Puhl, worum dreht sich Ihr Vortrag auf der be.connected 2019?

Das Grundthema meines Vortrages ist die Frage, wie man im Fahrstrombereich als EMP zukünftig erfolgreich sein kann. Ich hege große Zweifel daran, dass dies nur durch den Verkauf von Fahrstrom gelingen wird. Ich möchte daher zeigen, wie man auch durch bestimmte Value Added Services Einkommensquellen erschließen kann. Ein weiteres Thema meines Vortrages ist die Tatsache, dass sich die EMP-Lösungen am Markt aus meiner Sicht in den letzten vier bis fünf Jahren kaum weiterentwickelt haben. Deshalb werde ich beleuchten, wo es Verbesserungspotenziale gibt.

Sie sind CTO von Hubject. Erzählen Sie uns doch, was Ihr Unternehmen für seine Kunden tut?

Unser Kerngeschäft besteht darin, im sogenannten Intercharge Netzwerk Ladeinfrastrukturbetreiber mit Fahrstromanbietern zu vernetzen. Das werden wir auch in Zukunft tun. Allerdings möchten wir unseren Kunden künftig noch mehr bieten und sie im Sinne des Matchmakings als Partner zusammenbringen. Zum Beispiel durch die Intercharge Konferenz, aber auch wenn es um Finanzielles oder um Fragen der Datenqualität geht. Der Grundtenor ist also, dass wir über das Intercharge Netzwerk hinaus auch andere Value Added Services anbieten möchten.

Großes Thema bei Hubject ist die ISO-15118. Können Sie uns erklären, was es mit Plug&Charge auf sich hat und wie Lenker von E-Autos und Ladestationsbetreiber davon profitieren?

Für ISO-15118 gibt es im Grunde zwei Argumente. Die eine Seite ist der Komfort: Als Fahrzeugnutzer muss ich das Auto nur an der Ladestation anstecken und der Ladevorgang beginnt automatisch, ohne dass ich dafür ein anderes Zugangsmedium benötige. Die andere Seite ist das Thema Sicherheit. Davon profitieren alle Teilnehmer des Ökosystems gleichermaßen: vom Nutzer über den EMP bis zum CPO. Ich halte die aktuell gängigen Identifikationsmedien insbesondere RFID-Karten für nicht besonders sicher. Das interessiert allerdings heute noch kaum jemanden, weil die Anzahl der Transaktionen am Markt insgesamt sehr klein ist. In einem Massenmarkt dagegen kann das schnell zum Problem werden. Genau hier setzt die ISO-15118 an, weil sie einen deutlich höheren Sicherheitsstandard bietet.

„Strategie statt Schnellschuss“ ist wohl auch in der e-Mobility Trumpf: Was sollten Unternehmen beim Einstieg in die Elektromobilität beachten?

Wie fast überall sollte man eine Evaluierung durchführen, wo man sich in der Wertschöpfungskette einordnet und welche Kernkompetenzen man selbst halten muss. Es ist ja im Grunde sehr einfach, in die E-Mobilität einzusteigen und man kann sich wie auf vielen Märkten fast alles zusammenkaufen. Die Wertschöpfung geht dann allerdings irgendwann gegen null und man merkt mittendrin, dass man doch in der Lage sein sollte, gewisse Dinge selbst zu entwickeln.

Was muss Deutschland bzw. Europa unternehmen, um in Sachen E-Mobilität nicht ins Hintertreffen zu gelangen?

Generell bin ich der Meinung, dass der chinesische und der europäische Markt nur sehr schwer zu vergleichen sind. In China gibt es ein politisch unbedingt gewolltes Interesse, diesen Markt nach vorne zu bringen, alleine schon, weil man sich davon große Chancen in Europa erhofft. Das ist hier anders. Natürlich würden weitere finanzielle Anreize von politische Seite helfen. Auf der anderen Seite bin ich aber auch der Meinung, man müsste versuchen, medial ein etwas günstigeres Klima zu erzeugen. Die gesamte Berichterstattung über Elektromobilität ist aus meiner Sicht sehr einseitig negativ. Es ist ja klar, dass eine so disruptive Technologie mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Aber diese medialen Strohfeuerdiskussionen sollte man irgendwann auch einmal abmoderieren. Hier schließt sich der Kreis zu China: Es geht nicht darum, ob man diesen Markt nun möchte oder nicht. Es geht darum, dass die deutsche Industrie wesentlich von den Automobilherstellern abhängt: Darauf basiert ein Teil unseres Reichtums. Und wenn die sich nicht bald bewegen, dann werden sie irgendwann überrollt. Überspitzt ausgedrückt: Dann haben wir das Problem, dass hier alle nur mehr chinesische Autos fahren.

Abschließende Frage: Worauf freuen Sie sich bei der be.connected 2019 am meisten?

Die Branche ist ja in Europa immer noch etwas überschaubar, das muss man ehrlich zugeben. Ich freu mich deshalb immer wieder, die „üblichen Verdächtigen“ zu treffen. Auf der anderen Seite – und das ist noch erfreulicher – sieht man, dass sich der Markt von Mal zu Mal mehr professionalisiert. Es kommen neue Marktteilnehmer hinzu und das finde ich wahnsinnig spannend.

Herr Puhl, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir sehen uns auf der be.con 2019!