Gunnar Lantin von Digital Energy Solutions Speaker auf der be.connected

Speaker im Porträt – Gunnar Lantin

Gunnar Lantin ist Projektentwickler bei Digital Energy Solutions. Wir freuen uns, ihn auf der be.connected 2019 als Speaker begrüßen zu dürfen und haben ihm vorab einige Fragen gestellt.

Herr Lantin, verraten Sie doch mal: Worum wird es bei Ihrem Vortrag auf der be.connected 2019 gehen?

Der Zuwachs an E-Mobilität führt natürlich auch zu einem Zubau an Ladeinfrastruktur. Dadurch kann es zu Engpässen in zuvor wenig belasteten Netzbereichen kommen. Das macht die Ladesäule in den Augen vieler Netzbetreiber zu einem verteufelten Objekt. Es gäbe natürlich die Möglichkeit, den Zubau von Ladeinfrastruktur zu begrenzen oder gar zu verbieten. Wir bei Digital Energy Solutions stellen allerdings sehr in Frage, dass das der richtige Weg ist. Vielmehr wollen wir Möglichkeiten aufzeigen, wie aus dem verteufelten Objekt ein Liebling der Netzbetreiber werden kann und eine Win-Win Situation herstellbar ist.

Sie sind Projektentwickler bei Digital Energy Solutions. Erzählen Sie uns, was Ihr Unternehmen tut?

Digital Energy Solutions ist ein Joint Venture der BMW und der Viessmann Group. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, Mehrwert für Kunden durch die Kopplung von Strom, Wärme und Mobilität zu generieren. Konkret heißt das, dass wir Gesamtenergiesysteme wie Photovoltaik, Speicher und Ladeinfrastrukturen konzipieren, implementieren und beratend tätig sind.

Im Bereich der Energieversorgung dreht sich alles um innovative Stromprodukte. Dabei sprechen wir beispielsweise von intelligenten Stromtarifen, die börsengekoppelt sind und bei denen auf Grund der Flexibilität ein geringerer Preis anfällt. Darüber hinaus bieten wir White Label Strom und EMP-Produkte an.

Im dritten Segment geht es um das Energiemanagement von Großerzeugern und -verbrauchern. Auch hier ist das Ziel, für unsere Kunden niedrige Kosten durch Flexibilität zu erzielen.

Der Begriff Energieflexibilität ist in aller Munde. Was verstehen Sie bei Digital Energy Solutions darunter?

Zusammenfassend kann man sagen, dass es um die Möglichkeit geht, den „Mismatch“ zwischen erneuerbarer Erzeugung und Verbrauch anzugleichen. Es geht um die Frage, wie wir es schaffen, 100 Prozent nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten. Die zunehmende Elektrifizierung des Mobilitäts- und Wärmesektors schafft hier Kopplungsmöglichkeiten und weitere Flexibilität, zum Beispiel über Elektrofahrzeuge als fahrende Speicher oder über Wärmepumpen als Kopplungssegment zwischen Strom und Wärme.

Und was bedeutet Energieflexibilität im Alltag?

Wir identifizieren Prozesse, die ohne Qualitäts- und Komforteinbußen verschoben werden können. Beim Laden von E-Autos sprechen wir beispielsweise von intelligenter Ladung während der Standzeiten. In der Stromproduktion nutzen wir die Möglichkeiten thermischer und elektrischer Speicherkapazitäten. So können Preisvorteile gehoben werden, die Bedürfnisse der Kunden werden befriedigt und wir unterstützen die Energiewende.

Was raten Sie Unternehmen, die sich mit dem Gedanken tragen, an Ihrem Betriebsstandort Ladestationen für E-Autos zu errichten?

Als ersten Schritt sollte man immer den Nutzer betrachten. Gehen Sie weg von einer Betrachtung des Parkplatzes, sondern schauen Sie sich Ihre Nutzergruppen an. Stellen Sie sich Fragen wie zum Beispiel: Welche Fahrzeuge werden wir einsetzen und welche Distanzen sollen diese zurücklegen? Daraus ergibt sich der Bedarf an Ladeinfrastruktur. Zum anderen sollten Sie auf zukunftssichere Software setzen. Achten Sie auf offene Standards und auf Herstellerunabhängigkeit, um künftige Wechselhürden zu vermeiden und setzen Sie auf intelligente Ladeeinrichtungen, um für Roaming, Abrechnung und Steuerung gerüstet zu sein.

Welche Fehler sollte man bei der Errichtung von eigenen Ladestationen als Unternehmen auf jeden Fall vermeiden?

Auch hier geht es um die oben angesprochenen Punkte. Gehen Sie bei Ihren Überlegungen nicht vom Firmenparkplatz, sondern vom Nutzer und seinen Bedürfnissen aus. Weiters: Setzten Sie nicht auf geschlossene Systeme, um zukunftsfähig zu bleiben und vertrauen Sie auf einen Anbieter mit Erfahrung am Markt. Damit sparen Sie sich von Anfang an viele Probleme.

Wagen wir doch einen kurzen Blick in die Glaskugel: Wo steht Deutschland in zehn Jahren in Sachen E-Mobilität?

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Elektromobilität auf der Straße durchsetzen und vom Besonderen zum Standard wird. Disruptive Technologien werden die Elektromobilität auch in die Lüfte bringen und den Markt durchschütteln. Die Frage ist allerdings:
Werden wir weiter hinter China herlaufen oder werden wir uns in Deutschland und den Nachbarländern eine technologische Differenzierung erarbeiten können?

Abschließende Frage: Worauf freuen Sie sich bei der be.connected 2019 am meisten?

Ich freue mich auf neue Ideen und Anreize und auf den spannenden Austausch mit Kollegen und E-Mobilitätsenthusiasten.

Herr Lantin, herzlichen Dank für das Gespräch. Wir sehen uns auf der be.con 2019!